Aber stimmt das wirklich?
Wir sind in einer schwierigen Situation. Das Land, wahrscheinlich sogar der gesamte Planet. Klimawandel, Aggressionen, Krisen, Kriege, wirtschaftliche und politische Herausforderungen. Die üblichen Themen und an sich nichts Neues. Was jedoch neu ist, ist die Geschwindigkeit, mit der Veränderungen uns erreichen. Hilft uns Helmut Schmidt, der wiederholt Reinhold Niebuhr zitiert hat?
Gib mir die Gelassenheit,
die Dinge hinzunehmen,
die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern,
die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine
vom anderen zu unterscheiden.
Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht.
Was mir bei den üblichen Themen fehlt, ist etwas anderes.
Etwas, das es nicht in die Nachrichten schafft. Weil es zu langweilig ist. Und zu einfach.
Wir verbringen unsere Tage vor Bildschirmen. Morgens der kleine, tagsüber der große, abends der kleine und der andere große.
Auch das ist eine Fantasiewelt. Wir glauben, wir sind in einem Meeting, einem Gespräch mit „einer KI“ oder in unserer Lieblingsserie.
Tatsächlich sitzen wir in einem geschlossenen Raum, unter Neonlicht, und starren auf ein leuchtendes Rechteck.
Der Unterschied zur Fantasiewelt mit 7: Aus der kam ich dreckig, hungrig und glücklich nach Hause.
Gleichzeitig optimieren wir. Longevity, Nahrungsergänzung, Schlaftracker, Cold Plunge. Wir lesen über Blue Zones, diese Orte, an denen Menschen auffällig alt werden, und kaufen danach Olivenöl und Magnesium. Was dort allerdings ebenfalls auffällt und in keinem Online-Warenkorb landet:
Die Menschen in den Blue Zones sind nicht alleine. Sie sitzen zusammen. Jeden Tag.
Miteinander reden. Geschichten erzählen. Vor allem die, die alle schon kennen. Gemeinsam Brot brechen. Lachen. Unbeschwert sein. Auch wenn es nur für zwei Stunden ist.
Gibt es nicht als Kapsel.
Und damit sind wir bei den Dingen, die wir ändern können.
Die Weihnachtszeit steht an. Die Wochen, die traditionell von Nähe und Gemeinsamkeit geprägt sind. In denen Kollegen, die sich elf Monate lang Mails schreiben, an einem Tisch sitzen und feststellen, dass der andere ziemlich lustig ist. In denen die Familie zusammenrückt, weil der Tisch eigentlich zu klein ist. In denen jemand die Geschichte von damals erzählt, zum zwölften Mal, und alle an derselben Stelle lachen wie immer. Niemand schaut dabei auf einen Bildschirm.
Und wenn doch, gibt es zu Recht Ärger.